Fischerareal Baindt I 2016 I 1. Preis

Begrenzt offener Städtebaulicher Ideenwettbewerb

Städtebau yellow z urbanism and architecture

Gemeinde Baindt
20 ha
Gerd Holzwarth I Philipp Rösner I Dominikus Littel

Im Ortszentrum Baindt treffen sehr unterschiedliche baulich-freiräumliche Situationen, Nutzungen und Verkehrsinfrastrukturen aufeinander. Insbesondere die opulente Verkehrsführung von Marsweiler Straße und Dorfplatz dominiert den Charakter des Ortes und trennen die angrenzenden Siedlungsteile voneinander.

Der Wettbewerb bietet nun die Chance einer ganzheitlichen Neuordnung und deutlichen Qualifizierung der zentralen Ortsbereiche in funktionaler und gestalterischer Hinsicht. Dazu sollen die vorhandenen Versatzstücke unterschiedlicher Entstehungszeiten, Typologien und Nutzungen sinnvoll in Beziehung gesetzt werden.

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Neuordnung liegt zu allererst in einer konsequenten Umplanung und „Gesundschrumpfung“ der verkehrlichen Situation um Marsweiler Straße und Dorfplatz. Hier lässt sich neben der Attraktivität der Straßen und der öffentlichen Räume auch die funktionale Zuweisung deutlich verbessern sowie ein beträchtlicher Flächengewinn erzielen. Eine schlanke und begradigte Ausgestaltung der Straße schafft nutzbare Grundstückszuschnitte, klare räumliche-funktionale Bezüge und insgesamt eine Rückgewinnung des Raumes - auch für den Fußgänger.

In seiner derzeitigen Ausprägung ist der vorrangig als Parkierungsfläche genutzte Dorfplatz kaum als solcher zu begreifen. Es gilt, den zentralen Platzraum multifunktional bespielbar zu gestalten und ihn als Ortsmitte räumlich und programmatisch klar zu definieren.

Der neue Einkaufsmarkt westlich des Platzes bildet dazu einen Schlüsselbaustein im neuen Gefüge: er formuliert hier nicht nur eine für die räumliche Lesbarkeit wichtige Platzkante, sondern stärkt das Zentrum durch eine direkt auf den Dorfplatz bezogene kräftige Nutzung. Seiner prominenten Stellung im Ort sollte das Gebäude durch eine anspruchsvolle architektonische Umsetzung gerecht werden.

Die Platzfläche bleibt über die Marktnutzung hinaus als Parkierungsfläche erhalten. Durch einen mehrfarbig abgesetzten Splittmastixasphalt wird die Nutzung des Platzes gestalterisch neu interpretiert und entscheidend aufgewertet. Mit der Neuanlage der Marsweilerstraße und ihrer Fortführung in der Straße am Dorfplatz entsteht zudem ein gut nutzbarer Platz, der nach Süden über eine Stufenanlage und barrierefreie Rampe an die höher liegende Straße angebunden ist. Zugleich markiert der Dorfplatz den Versprung des Sulzmoosbachs von seiner offen kanalisierten Führung im Norden das Platzes, hin zur südlich entlang der neuen Wohnbebauung offen und renaturierten Führung des Bachlaufs. Hier entwickelt der Bach mit großzügigem, begleitendem Fußweg und Terrasse eine entscheidend neue innerörtliche Qualität, welche den Besucher schon an der Ortseinfahrt willkommen heißt.

Die neue Siedlung auf dem Fischerareal fügt sich wie selbstverständlich in die kleinteilige umgebende Bebauung ein. In Anlehnung an ländliche Weiler werden Hausgruppen um gemeinschaftlich genutzte Hofflächen organisiert. Je nach Lage und Ausrichtung sind kleine bis mittlere Geschossbauten und Reihenhäuser vorgesehen, die einen differenzierten Mix unterschiedlicher Haustypen und Wohnungsgrößen zulassen. Die Erschließung der Häuser erfolgt von außen, private Gärten lagern sich an den gemeinsamen Hofbereich an. In die Siedlung integriert liegt in räumlicher Nähe zum Dorfplatz das Haus für betreutes Wohnen am Sulzmoosbach.

Als strukturgebendes und identitätsstiftendes Freiraumelement für das Quartier wird der Grünzug auf der ehemaligen Bundesstraße nach Süden auf das Areal weitergeführt. Auf diese Weise wird die ursprüngliche Entwicklungsachse des Ortes zu einer großzügigen öffentlichen Grünfläche, welche den Ort durchzieht und an platzartigen Aufweitungen und Übergängen genügend Raum für Erholung, Sport und Spielbereiche bietet. Innerhalb des Quartiers trägt der Grünkorridor ebenfalls zum Regenwassermanagement bei, indem entsprechend der Topografie Sickermulden das aus den Freiflächen anfallende Niederschlagswasser aufnehmen.